An der schönen blauen Donau

Bönen – 2000 Kilometer hat Franz-Josef Hürmann mit dem Rad zurückgelegt. Hin zur Senioren-EM der Tischtennisspieler und den größten Teil wieder zurück. Jetzt ist der zweifache Medaillengewinner zurück und erzählt von abenteuerlichen Radwegen in Ungarn, der Schönheit der Strecke entlang der Donau und wen er in Wien als Trainingspartner gefunden hat. Jan Lüke

„In den ersten Runden geht es gemütlich zu.“
INTERVIEW Franz-Josef Hürmann über die Senioren-EM in Budapest und seine Radtour dahin.

Bönen – Finnland, Schweden oder die USA: Franz-Josef Hürmann von den TTF Bönen hat in den vergangenen Jahren an vielen Großveranstaltungen im Seniorentischtennis teilgenommen. Den Weg zu den Europa- und Weltmeisterschaften bestritt der 69Jährige stets mit dem Fahrrad. Auch in diesem Jahr: Von den Europameisterschaften im ungarischen Budapest kehrte der Tischtennisfreund nicht nur mit zwei Medaillen in der Herren-65-Klasse zurück, sondern auch mit vielen Eindrücken einer knapp sechswöchigen Reise. Der WA sprach mit ihm über befreundete Rivalen, ein intensives Training in Wien und Radfahren in der ungarischen Peripherie.

Herr Hürmann, Sie haben mehr als 2000 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt. Das ist im Vergleich zu Ihrer Tour zu den Weltmeisterschaften in Las Vegas im vergangenen Jahr ja fast ein bescheidener Trip.

So kann man das auch sehen. (lacht) Aber mir geht es ja nicht darum, Rekorde zu brechen. Das war eine wunderschöne Runde. Ich habe mich Mitte Juni auf den Weg gemacht nach Budapest, die EM hat dort am 1. Juli begonnen. Und nach Turnierende bin ich weiter ins Kleinwalsertal– quer durchs Allgäu. Ziel war die Zaferna-Hütte. Dort findet seit mittlerweile 25 Jahren die Ferienfreizeit der TTF Bönen statt. Früher war das eine Tour nur für Tischtennisspieler, heute ist das eine komplett gemischte Gruppe. Das war ein toller Abschluss.

Von Budapest über das Allgäu – das war aber nicht der kürzeste Weg nach Hause.

Nee, nicht unbedingt. Aber das passte von der Zeit. Ich hatte zwölf Tage für die knapp 1000 Kilometer. Ich war dann froh, den Sattel gegen die Wanderstöcke tauschen zu können. Und im Anschluss habe ich das Fahrrad ins Auto gepackt und bin mit der Gruppe mit dem Auto zurück…

Nee, nicht unbedingt. Aber das passte von der Zeit. Ich hatte zwölf Tage für die knapp 1000 Kilometer. Ich war dann froh, den Sattel gegen die Wanderstöcke tauschen zu können. Und im Anschluss habe ich das Fahrrad ins Auto gepackt und bin mit der Gruppe mit dem Auto zurück…

Sie haben sowohl im Einzel als auch im Doppel eine Bronzemedaille gewonnen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem sportlichen Abschneiden?

Man muss natürlich sagen: Die Europameisterschaften und Weltmeisterschaften sind riesige, wunderbare Turniere, aber in den ersten Runden geht es meist recht gemütlich zu. Das sportliche Niveau ist eher niedrig. Erst in den Finalrunden wird es so richtig ernst. Mit vielen guten Spielern, die früher hochklassig gespielt haben.

Kennen Sie Ihre Gegner nach den vielen Jahren schon gut?

Inzwischen kenne ich sehr viele, man trifft sich immer wieder. Mein Doppelpartner Gerd Werner ist über die vergangenen Jahre ein wirklich guter Freund geworden. Ich war ihn vor dem Turnier auch noch besuchen in Ketsch am Rhein in der Nähe von Mannheim.

Und andere Kontrahenten?

Inzwischen sind wir eine kleine Familie geworden, die sich einmal im Jahr trifft. Kurios war: Ich habe im Halbfinale gegen den Spieler verloren, dem ich im vergangenen Jahr in Las Vegas noch eine WMMedaille weggeschnappt ha be. Ein sehr netter Este, Rein Lindmäe. Er hat verdient gewonnen. Aber mit zwei Medaillen bin ich super zufrieden.

Sind Sie ohne Training in Budapest angereist oder konnten Sie unterwegs trainieren?

In Wien habe ich eines der Highlights meiner Reise erlebt. Durch viele Zufälle habe ich einen ehemaligen polnischen Nationalspieler ausfindig gemacht, der ist an die 50 mittlerweile. Und mit dem habe ich zwei Stunden trainiert. Das war richtig toll. Das war auf der Hinfahrt aber auch mein einziges Training. (lacht)

Wie ist es Ihnen auf dem Rad ergangen?

In Ungarn gibt es fast keine Fahrradwege. Es war schon kriminell, wie nah die Autos teilweise an mir vorbeigefahren sind. Aber ich habe eine gute Fahrrad-App, die mir abgelegene und landschaftlich schönere Wege zeigt. Die Premiumvariante war dagegen der Donauradweg. Eine Autobahn für Radfahrer! Am Weg lagen schöne Gasthäuser in kleinen Dörfern. Ich bin einfach gefahren, habe um fünf Uhr geguckt, wo ich bin und mir eine Unterkunft in der Nähe gesucht. Sobald man das Gefühl hat, zu einer bestimmten Zeit irgendwo ankommen zu müssen, tickt die Uhr im Kopf – und dann macht das Radfahren viel weniger Spaß. In Budapest habe ich dann sehr zentral gewohnt. Spielort war eine Messehalle direkt neben dem Ferenc-Puskas-Stadion, nur vier U-Bahn-Stationen.

Wie verlief das Turnier?

Das Schöne war auch: Ich habe in Budapest einen alten Freund aus Westtünnen getroffen, der spielt auch alle diese Seniorenmeisterschaften mit. Und weil er noch keine Unterkunft hatte in Budapest, haben wir in den Tagen dort zusammen in meinem Apartment gewohnt. Das hat Spaß gemacht. Das Turnier war insgesamt eine ganz, ganz runde Sache.

Wohin geht’s im nächsten Jahr?

Die WM findet in Bordeaux statt! Ich muss mir noch überlegen, welche Route ich nehme. Nur geradeaus rüber zum Atlantik, da wird mir vielleicht langweilig. Ich habe einen Freund mit einem Ferienhaus unten in der Nähe von Marseille. Vielleicht fahre ich einfach wieder einen Umweg. (lacht)

Es war schon kriminell, wie nah die Autos teilweise an mir vorbeigefahren sind. Franz-Josef Hürmann über Radfahren in Ungarn